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Der weltweite Verband Bürgermeister
für den Frieden erhält den "Nuclear Free
Future Award"
Salzburg, 18. Okober 2007: Der
Nuclear-Free Future Award, der "weltweit wichtigste
Anti-Atom-Preis" (taz, Berlin), ehrt seit 1998
Visionäre und Aktivisten, die sich beispielhaft
für eine Welt ohne Atomwaffen und Atomenergie einsetzen.
Der internationale Preis, dotiert mit je 10.000 US-Dollar,
gliedert sich in die drei Kategorien: Widerstand, Aufklärung
und Lösungen; darüber hinaus gibt es einen
Ehrenpreis für Lebenswerk.
In der Kategorie "Lösungen"
wurden in der Person von Tadatoshi Akiba. Japan, die
"Mayors for Peace" ausgezeichnet.
Hier ist die Rede von Bürgermeister
Akiba, die er in Salzburg am 18. Oktober 2007 hielt:
Rede von Bürgermeister
Tadatoshi Akiba
Nuclear Free Future Award Verleihung,
Salzburg, 18. Oktober 2007
Liebe Friedensfreunde, meine Damen und Herren,
im Namen aller 1793 Mitglieder der Mayors for Peace
danke ich der Franz-Moll-Stiftung für die Ehrung
mit dem Nuclear-Free Future Award. Diese Anerkennung
ist für unsere Kampagne gerade zu diesem höchst
kritischen Zeitpunkt ein Beitrag von unschätzbarem
Wert.
Gestatten Sie mir, der ich diese Auszeichnung entgegennehmen
darf, den Verweis auf einen anderen wichtigen Preis,
den Friedensnobelpreis, der in diesen Tagen unter weltweitem
Beifall Al Gore und dem Weltklimarat zuerkannt wurde.
Die Ehrung gerade dieser Preisträger ist so wichtig,
weil die Welt begreifen muss, dass der Klimawandel ein
Problem ist, das die ganze Menschheit betrifft und dessen
Lösung wir gemeinsam sofort in Angriff nehmen müssen.
Den Klimawandel bestreitet mittlerweile kaum noch ein
ernstzunehmender Wissenschaftler. Es liegt auf der Hand,
dass bei einem solchen Thema die Wissenschaft das letzte
Wort haben sollte. Ungeachtet dessen haben viele Regierungen
zusammen mit mächtigen Interessengruppen aus Wirtschaft
und Energieversorgung ihr Möglichstes getan, die
Fakten zu verdrehen, zu verdunkeln und zu verbergen,
damit die Menschen nur ja nicht die Wahrheit erfahren.
Die demokratische Meinungsbildung bleibt dabei leicht
auf der Strecke. Der Friedensnobelpreis für Al
Gore und den Weltklimarat wird da sicher einiges richtig
stellen.
Leider steht es um die Wahrnehmung des Problems der
Atomwaffen viel schlechter als um die Wahrnehmung des
Klimawandels. Deshalb ist für die Verbesserung
der Situation, die ich gleich beschreiben werde, der
Nuclear-Free Future Award nicht weniger wichtig.
Darf ich Sie zunächst daran erinnern, dass die
überwältigende Mehrheit der Völker und
Menschen einen instinktiven Überlebenswillen haben
und "aus dem Bauch heraus" der Meinung sind,
dass wir die Kernwaffen abschaffen sollten. Die Menschen
sind im tiefsten Inneren davon überzeugt, dass
unsere Spezies überleben muss. Doch die Führungseliten
der Atomwaffenstaaten ignorieren diese Mehrheit. Auch
für die meisten Medien ist die Forderung nach der
Abschaffung der Atomwaffen kein Thema, sondern allenfalls
eine Utopie, die zu erörtern sich nicht lohnt.
Zwar ahnen weltweit die Älteren noch, dass Atomwaffen
schrecklich sind, doch sie sind völlig außerstande,
sich den Horror dieser Waffen wirklich vorzustellen.
Sie haben keine Ahnung, was es für eine ganze Familie,
ein ganzes Stadtviertel, eine ganze Stadt bedeutet,
einfach vom Erdboden zu verschwinden. Erst vor kurzem
wurde mir auch klar, dass manche junge Menschen heute
nicht einmal wissen, was Kernwaffen sind.
In der dünnen Höhenluft, in der internationale
Politik gemacht wird, verweisen die Politiker gerne
mit wohlgesetzten Worten auf die lebenswichtige Rolle
von Kernwaffen für die nationale Sicherheit. Diese
Leute wissen nicht, wovon sie reden. Ihre Vorstellungskraft
und ihre Mitgefühl reichen nicht aus, um die Gefühle
von Menschen nachzuempfinden, die hilflos zusehen müssen,
wie ihre Mütter im Schutt ihrer Häuser verbrennen.
Aber vielleicht haben diese Politiker ja auch noch nie
von den anderen Gräueln gehört, die sich Tag
für Tag an allen Ecken und Enden der Erde ereignen.
Gefühlsarmut und Ignoranz haben es einigen der
mächtigsten Politiker der Welt ermöglicht,
zusammen mit willfährigen Medien und dem militärisch-industrielllen
Komplex einen Nuklearkult zu etablieren. Es wurde ein
Weltbild konstruiert und unter die Menschen gebracht,
demzufolge Atomwaffen für das Überleben entscheidender
menschlicher Werte, ja für das Überleben der
Menschheit selbst unverzichtbar sind.
Der Nuclear-Free Future Award und Sie alle, die Sie
hier anwesend sind, tragen entscheidend dazu bei, dies
alles zu ändern. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe,
das Atomwaffenthema wieder in das Bewusstsein der Menschen
zu heben - auch gegen den Willen der Anhänger des
Nuklearkults.
Wie erreichen wir dieses Ziel? Die meisten Menschen
sind gegen Atomwaffen; für diese Einstellung gilt
es eine Ausdrucksform zu finden. Wir müssen die
Gefahr so beschreiben, dass sie anderen Menschen überzeugend
kommuniziert werden kann. Dann müssen wir diese
Menschen dazu bringen zu handeln und dafür zu sorgen,
dass bei internationalen politischen Entscheidungen
der Wille der Mehrheit zum Tragen kommt. Vor allem müssen
wir auf der Einhaltung demokratischer Spielregeln in
der Weltpolitik bestehen.
In den meisten Staaten kommen politische Entscheidungen
heutzutage durch einen mehr oder weniger demokratischen
Prozess zustande. Ich darf auch daran erinnern, dass
viele ehemalige Kolonien unabhängige demokratische
Staaten geworden sind, die in überwältigender
Mehrheit für die Abschaffung von Kernwaffen eintreten.
Man darf doch wohl erwarten, dass das Demokratieverständnis,
das innerhalb nationaler Grenzen herrscht, sich nach
und nach über die ganze Welt ausbreitet. Und wo
es um ein globales Thema wie Nuklearwaffen geht, sollte
die globale Mehrheitsmeinung berücksichtigt werden.
Wenn es so weit ist, können wir die Kernwaffen
tatsächlich abschaffen.
An diesem Punkt kommen die Städte ins Spiel. Ihr
Aufstand hat schon begonnen. Wir Bürgermeister
verlangen ohne Wenn und Aber, dass die Regierungschefs
der Atomwaffenstaaten umgehend aufhören, uns für
ihre überholten und irrelevanten politischen Machenschaften
in Geiselhaft zu halten. "Cities Are Not Targets"
sagen wir, "Städte sind kein Angriffsziel",
und wir werden es immer lauter und dringlicher sagen.
Wir Mayors for Peace haben die "2020 Vision Campaign"
gestartet, weil wir wissen, dass unsere von gegenseitige
Abhängigkeiten geprägte Zivilisation zu fragil
geworden ist, als dass man sie mit den brutalen Brachialinstrumenten
militärischer Gewalt managen könnte. Die schwierigen
und komplexen Probleme, vor denen wir stehen, können
wir nur lösen, wenn wir auf Vernunft, auf Verhandlungen
und auf Kooperation setzen. Langfristig müssen
wir lernen, unsere Konflikte mit friedlichen Mitteln
auszutragen. Kurzfristig gilt es Kriege zu verhindern
- und vor allem den Einsatz von Nuklearwaffen.
Der Exekutivausschuss der Mayors for Peace tritt Ende
November 2007 in Florenz zusammen. Bei dieser Sitzung
werden wir Phase III der 2020 Vision Campaign beschließen,
die dann im Mai 2008 in Genf bei der Vorbereitung der
nächsten Konferenz zur Überprüfung des
Atomwaffensperrvertrags (NPT PrepCon) offiziell eingebracht
wird.
Die friedliebenden Kräfte können und müssen
den Kampf um die Befreiung von der nuklearen Bedrohung
gewinnen. Gemessen an anderen Kämpfen, die wir
noch zu bestehen haben - gegen Armut und Gewalt, gegen
Klimawandel und Umweltzerstörung - könnte
es sogar ein leichter Kampf werden. Doch wenn wir diesen
Kampf nicht gewinnen, brauchen wir zur Lösung der
anderen Probleme gar nicht erst anzutreten.
Ich möchte Sie alle einladen, bei der 2020 Vision
Campaign mitzumachen. Unser Sekretariat in Hiroshima
(www.mayorsforpeace.org) oder die deutsche Sektion (www.mayorsforpeace.de)
informiert Sie gerne über aktuelle Entwicklungen
und macht Ihnen Vorschläge, wie Sie sich beteiligen
können. Die Vereinten Nationen haben, wie Sie vielleicht
wissen, das Jahrzehnt 2010 bis 2020 zum Jahrzehnt der
Abrüstung erklärt. Wir stellen uns für
2010 eine Antinuklearbewegung vor, wie die Welt sie
noch nicht gesehen hat, und wir setzen alles daran,
dass es dazu kommt.
Ich bin fest davon überzeugt, dass wir vor dem
Entscheidenden Jahrzehnt stehen. Werden wir die Kernwaffen
abschaffen oder sie uns? Von der Antwort hängt
es ab, ob unsere Kinder und Enkel überhaupt eine
Chance haben. Ich möchte noch einmal der Franz-Moll-Stiftung
für die kommenden Generationen und allen hier Anwesenden
für den bedeutenden Beitrag danken, den Sie leisten.
Ich hoffe, dass unsere gemeinsame Arbeit den zukünftigen
Generationen gibt, was sie am dringendsten brauchen
und wünschen - eine auf Dauer sichere und atomwaffenfreie
Welt.
Aus dem Englischen von Wolfgang Heuss
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