|
3. BürgermeisterInnen-Treffen in Hannover am 12.10.2007
Deutsche BürgermeisterInnen für den Frieden fordern
Abzug aller Atomwaffen
Der neue Oberbürgermeister von Hannover, Stephan
Weil, hat eingeladen und zuerst sah es so aus, als ob
über 30 BürgermeisterInnen der Einladung folgen
wollten. Aber der Lokführerstreik hat leider der
Zahl auf 18 reduziert. Nichts desto trotz war das 3.
Treffen der BürgermeisterInnen für den Frieden
ein Erfolg, nicht zuletzt weil es zum ersten mal in
einer gemeinsamen Erklärung mündete.
Die TeilnehmerInnen beschlossen einstimmig, die Kampagne
"unsere zukunft - atomwaffenfrei" zu unterstützen
und den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland zu fordern.
Darüber hinaus forderten sie von der Bundesregierung:
"Keine Mitarbeit an der Planung und dem Einsatz
von Atomwaffen."
Der Präsident der internationalen Vereinigung
"Mayors for Peace" und Bürgermeister
von Hiroshima, Tadatoshi Akiba, der am 18.10.2007 die
Auszeichnung "Nuclear Free Future Award",
bekommen wird, schickte eine Videobotschaft für
das Treffen. Er kündigte an, dass die Versammlung
der internationalen Vereinigung der Städte der
Welt in Jeju, Südkorea, sich demnächst den
Mayors for Peace Kampagnen "2020 Vision" und
"Cities are not Targets" anschließen
werden. Bereits jetzt haben die US- und die europäischen
BürgermeisterInnen ihre Zustimmung gegeben.
Pol D'Huyvetter von der internationalen 2020 Vision-Kampagne
reiste aus Belgien an, um über die internationalen
Aktivitäten zu erzählen. Drei Schwerpunkte
hat er hervorgehoben: Mitgliederwerbung, Fundraising
und Kommunikation. Er lobte ausdrücklich die deutschen
BürgermeisterInnen für den Frieden wegen ihrer
Webseite.
Der Atomwaffenexperte Otfried Nassauer vom Berliner
Informationszentrum für transatlantische Sicherheit
klärte über die faktische Lage zu Atomwaffen
in Deutschland auf. In Ramstein gibt es keine Atomwaffen
und auch keine atomwaffentragenden Flugzeuge mehr. Es
gibt "nur noch" 20 Atomwaffen in Büchel
im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe der NATO.
Innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre muss
in Deutschland entschieden werden, ob die nukleare Teilhabe
weiter betrieben wird oder nicht. Nassauer meinte, man
sollte nicht warten, bis alle andere Länder bereits
ausgestiegen sind. Damit verpasst man eine Chance, ein
politisches Signal zu setzen, welches der Abrüstung
sehr zugute kommen könnte.
Danach berichtete der ehemalige Staatssekretär
für Verteidigung Walter Kolbow, MdB, über
die Position der SPD und der Bundesregierung zu den
Themen Atomwaffen, Nichtverbreitung, Abrüstung
und Rüstungskontrolle. Auf den ersten Blick hörte
sich sein Bericht so an, als ob die Kampagne für
den Abzug der in Deutschland befindlichen Atomwaffen
offene Türen einrennen würde. Dennoch steckt
- wie immer in der Politik - der Teufel im Detail. So
einfach ist es nicht, behauptet Kolbow, die Atomwaffen
der USA frühzeitig los zu werden. Aber sie werden
sowieso spätestens 2012 verschwinden, wenn die
Tornados durch Eurofighter-Flugzeuge ersetzt werden,
die nicht als Atomwaffenträger genutzt werden können.
Somit ist die SPD-Fraktionsposition relativ klar. Sie
warten ab und lassen die Atomwaffen nach Beispiel Griechenland
sang und klanglos verschwinden. Sie suchen keinen Streit
mit den USA und sind auch nicht bereit, einen Alleingang
zu machen. Deutschland als Vorreiter für die Abrüstung
ist kein Regierungsziel. Viva le Pragmatismus.
Glücklicherweise hat die deutsche Zivilgesellschaft
dafür gesorgt, dass in den nächsten drei Jahren
doch etwas passieren wird. Regina Hagen präsentierte
die Kampagne "unsere zukunft - atomwaffenfrei"
des Trägerkreises "Atomwaffen abschaffen",
die sich das Ziel gesetzt hat, bis 2010 eine öffentliche
Erklärung von der Bundesregierung zu bekommen.
Inhalt der Erklärung: Deutschland wird atomwaffenfrei.
Von Deutschland wird nicht mehr der Einsatz von Atomwaffen
geplant oder geübt.
Xanthe Hall, IPPNW
18.10.2007
|