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Mit geschärftem Blick ins Jahr 2020 schließen sich Bürgermeister auf der ganzen Welt zusammen, um Atomkrieg abzuschaffen

Wall St, Journal, 23. Januar 2007
Kommentar von Tadatoshi Akiba, Bürgermeister von Hiroshima

Wird uns 2007 in Erinnerung bleiben als das Jahr, in dem die Welt Atomwaffen den Rücken kehrte? In diesem Fall könnte der bemerkenswerte Kommentar vom 4. Januar auf der Meinungs-Seite, "Eine Welt ohne Atomwaffen", von George P. Shultz, Henry A. Kissinger, William J. Perry und Sam Nunn, den Tag markieren, an dem der große Wandel begann.

Ihr gemeinsames Werk ist nicht so sehr auf Grund des Inhalts bemerkenswert - die Liste derer, die grundsätzlich die gleichen Ideen geäußert haben, könnte noch weit über die wenigen zitierten, herausragenden Beispiele verlängert werden. Vielmehr ist die offensichtliche Entschlossenheit, die unparteiische Natur ihres Rufs nach einer Abschaffung von Atomwaffen zu unterstreichen, etwas besonderes.

Die Welt von einer nuklearen Katastrophe weg und hin zu einer atomwaffenfreien Zukunft zu steuern, kann und darf keine politische Waffe sein, die eine Interessensgruppe gegen die andere einsetzt. Wenn die Menschheit nicht vereint hinter jenem Ziel stehen kann, werden Hiroshima und Nagasaki nicht mehr lange die einzigen Opfer nuklearer Angriffe bleiben. Es ist wichtig zu erkennen, das die Befürwortung einer Abschaffung von Atomwaffen nicht die eigenwillige Haltung einer kleinen Gruppe ist. Eine AP-Umfrage aus dem März 2005 zeigte, dass eine große Mehrheit der Amerikaner eine weltweite nukleare Abrüstung unterstützt. Wenn Sie erlauben, möchte ich den folgenden konstruktiven Zusatz zu oben genanntem Kommentar anbieten: Ich bin der Präsident eines internationalen Netzwerkes von Städten, Mayors for Peace. Unsere 1.553 Mitglieder stammen aus 120 Ländern und einem breiten Spektrum an politischen Überzeugungen. Unsere Organisation hatte die größte Delegation von allen, seien es Regierungs- oder Nicht-Regierungs-Vertreter, bei der letzten Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag. Dort haben wir die von uns so genannte 2020 Vision vorangetrieben: Sie besagt, dass alle Bemühungen sich darauf richten sollten, die Welt bis 2020 von Atomwaffen zu befreien.

Wir haben dieses Jahr bewusst gewählt, weil das Ziel realisierbar ist. Wir alle, nicht zuletzt diejenigen, welche die Atombombenangriffe von 1945 überlebt haben, würden nukleare Abrüstung lieber noch früher sehen. Aber Experten auf diesem Gebiet haben uns zu diesem Datum geraten, da es keine physikalischen oder finanziellen Hindernisse gibt, bis 2020 alle Atomwaffen zu vernichten und alle besonderen spaltbaren Materialien, die zu ihrer Herstellung nötig sind, zu zerstören. Dies ist deshalb nur eine Sache des politischen Willens, oder genauer, der redlichen Absicht.

Der Internationale Gerichtshof entschied 1996, dass alle Staaten eine rechtliche Verpflichtung haben, nach Treu und Glauben Verhandlungen zu führen und abzuschließen, die zu nuklearer Abrüstung in allen Aspekten führen. Angesichts dieser Verpflichtung hat Mayors for Peace zu Verhandlungen für ein Rahmenabkommen zur Abschaffung von Atomwaffen aufgerufen. Wenn wir dieses Ziel bis 2020 erreichen wollen, sollten solche Verhandlungen ohne Verzögerung begonnen und 2010, im Jahr der nächsten Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrages, abgeschlossen werden.

Die Herren Shultz, Kissinger, Perry und Nunn beobachten zu Recht, dass jeder Präsident, sowohl der Republikaner als auch der Demokraten, seit Richard Nixon diese Vertragsverpflichtungen nochmals beteuert hat, dass aber Nicht-Atomwaffenstaaten immer skeptischer hinsichtlich der ehrlichen Absichten der Nuklearmächte werden. Wenn US-Regierungen beider Parteien jeden auffordern würden, auf ein realisierbares Datum hinzuarbeiten, könnten sie dieses Muster vager Versprechungen durchbrechen.

Im Oktober 2006 entschied sich die Welt mit 169 zu 3 Stimmen (USA, Indien, Nordkorea) für eine Abschaffung von Atomwaffen. Ein drastischer Umschwung in der Atompolitik der USA würde weltweit herzlich begrüßt werden und zu einer raschen Befreiung von der schrecklichen Bedrohung führen, mit der wir schon zu lange gelebt haben.

Druckansicht

2020 Vision (engl.)


Bürgermeisterdelegation in New York 2005

Artikel von George P. Schultz, Henry A. Kissinger, William J. Perry und Sam Nunn, Wall St. Journal, 4. Januar 2007